Patienten Empowerment

Unter Patienten Empowerment (Teil der Patientensicherheit) versteht man die Befähigung des Patienten, durch mehr Wissen, gezieltere Information und Verantwortungsbewusstsein gegenüber sich selbst mehr Einblick in den eigenen Krankheitsprozess zu gewinnen und aktiv am Heilungsprozess teilzunehmen.

Die Metapher

Angenommen Ihr Auto ist kaputt (für nicht Autofahrer nehmen wir ein kaputtes Smartphone). Wenn Sie es zur Reparatur bringen, werden Sie genau schildern, wann und wie es zur Störung kam und was Sie bereits an Reparaturversuchen unternommen haben. Sie werden fragen, wie lange die Reparatur benötigt, was Sie tun können, um ein weiteres Auftreten der Fehlfunktion zu verhindern, was es kostet und ob, bzw. wie lange mit einem Anhalten der Reparatur zu rechnen ist.

Ihr Mechaniker (oder Smartphone Fachmann) wird Ihnen, wenn er seriös ist, genau drüber Auskunft geben, was er machen wird und was Sie erwarten können. Sie werden diese Dinge jedenfalls nachfragen, denn Sie werden über Sinn und Kosten einer Reparatur bestimmt Bescheid wissen wollen.. Unter Umständen rät er Ihnen zu einem neuen Auto (oder Smartphone. Dieser Teil der Metapher kann nur bis zu einem gewissen Grad auf den Menschen übertragen werden…).

Im medizinischen Alltag erlebt man oft Folgendes: Patienten kommen zum Arzt oder ins Spital und vertrauen ihren Körper blind der Institution an. Sie verlassen sich ohne viel zu fragen darauf, dass Ärzte und Therapeuten „schon das Richtige“ machen werden. Das „Richtige“ hängt jedoch von unterschiedlichen Parametern ab: Vorerkrankungen, bestehende Erkrankungen, soziale Situation, berufliche und sportliche Anforderungen usw.

Gut zu wissen

Bei Verletzungen im Rahmen von Unfällen ist klar, dass die sofortige Wiederherstellung der Funktion im Vordergrund steht. Bei Brüchen des Schienbeins oder Oberschenkels ist die Versorgung mit Nagel oder Platte jeglicher anderer Behandlung vorzuziehen: Der Nutzen der OP (sofort aufstehen und Voll- oder Teilbelasten, bessere Knochenbruchheilung durch Belastung und Bewegung, geringere Gefahr von Blutgerinnsel) übersteigt das bestehende Risiko der OP (Infektionen, verzögerte Bruchheilung, Verletzung von Nerven und Gefäßen) um ein Vielfaches.

Bei chronischen Erkrankungen der Gelenke und geplanten Eingriffen hat man als Patient genug Zeit, sich alle nötigen Informationen zu beschaffen und zu geben. Was gehört nun dazu?

Anteil Arzt – Anteil Patient

Der Arzt erstellt die Diagnose mit Hilfe von Voruntersuchungen, die er (und nicht der Patient) für notwendig erachtet. Er geht auf die Gesamtsituation und Bedürfnisse des Patienten ein. Auch Spezialwünsche des Patienten sollten Berücksichtigung finden, um einen bestmöglichen Ausgang zu sichern. Wenn sich ein Patient nur zu einer bestimmten Mondphase oder unter keinen Umständen an einem Freitag, den 13. operieren lassen möchte, sollte man dem Wunsch entsprechen.

Gemeinsam finden sie die am besten passende Behandlungsmöglichkeit. Dafür benötigt der Patient verständliche Informationen über die Diagnose, Art der Behandlung, Risiken, Dauer der Behandlung, Dauer eines Krankenstandes und zu erwartende Ergebnisse.

Der Patient seinerseits trägt die Verantwortung für die Richtigkeit seiner Informationen an den Arzt – Vorerkrankungen, Medikamente, bisherige Behandlungsversuche usw. Er bedenkt die vom Arzt vorgeschlagenen Therapie-Möglichkeiten und wägt ab, mit welcher er am besten zurecht kommen würde: Schafft er Teilbelastung oder Krückengehen? Nimmt er einen längeren Krankenstand und umfangreiche Physiotherapie in Kauf, oder lässt seine Arbeitssituation das nicht zu? Kommt er unter Umständen auch mit einem Hilfsmittel (Orthese, Schiene) zurecht? Und Vieles mehr.

Dafür braucht man Zeit und gegenseitiges Vertrauen. Und man sollte sich als Patient ruhig trauen, Fragen an den Arzt zu richten, um verwertbare Informationen zu bekommen.

Siehe auch: Patientensicherheit.at

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